Mexiko: Prinzessin aus der Asche

07-12-2012

Als Betsabes Mutter starb, wurde das ohnehin schwere Leben für die kleine Familie noch härter. Wie sollte Vater Genaro sich gleichzeitig um die drei Kinder kümmern und für sie arbeiten?

Wer Betsabe begegnet, meint, eine kleine Prinzessin zu treffen. Die Fünfjährige ist das jüngste von drei Kindern der Familie, die auf einem Zuckerrohrfeld am Golf von Mexiko lebt. Mit ihren wenigen Lebensjahren hat Betsabe schon so manches hinter sich.
Als ihre Eltern einige Jahre verheiratet waren, zogen sie nach Juarez, eine Kleinstadt im Norden Mexikos, wo Textilfabriken billige Arbeitskräfte suchten. Ein erster Sohn wurde geboren, Jared, dann folgte mit Jocabeth ein Mädchen. Und schließlich kam Betsabe auf die Welt. Alles schien gut zu laufen für die junge Familie – bis der Tag kam, als bei der Mutter Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Sie konnte sich nicht länger um die Kinder kümmern. Genaro, ihr Mann, beschloss, dass sie in ihren Heimatort zurückkehrten, damit seine Frau von ihrer Familie versorgt werden könne. Nach etwa einem Jahr starb Betsabes Mutter.

Ein mutiger Vater

Was sollte nun mit den Kindern geschehen? Die Familie ihrer Mutter wollte sie auf verschiedene Verwandte aufteilen, wo sie fortan leben sollten. Doch ihr Vater Genaro widersetzte sich mutig - er beschloss, mit den Kindern zusammenzubleiben und allein für sie zu sorgen. Eine Entscheidung, die ihn große Anstrengungen kosten sollte. Zu der Zeit war Betsabe erst zwei, ihr Bruder Jared sechs Jahre alt.
Genaro konnte keine dauerhafte Arbeit finden, weil er die Kinder zur Schule bringen und wieder abholen musste, um sich am Nachmittag um sie zu kümmern. Die Kinder zur Schule fertig zu machen, zu waschen, kochen, sich um die Hausaufgaben zu kümmern und gleichzeitig für sie zu verdienen, erwies sich als nahezu unmöglich.

Hilfe für Vater und Kinder brachte die christliche Gemeinde am Ort. Sie hatten ihnen bereits während der Krankheit der Mutter und nach ihrem Tod zur Seite gestanden, und sie half ihnen auch jetzt. Die Gemeinde hatte ein Compassion-Projekt für arme Kinder, hier wurden die drei Geschwister nun aufgenommen. „Mein größtes Problem war, dass ich keine vernünftige Arbeit finden konnte, weil ich meine Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen konnte“, erzählt Genaro. „Sie waren zu klein, um allein zu bleiben.“ Für mehr als ein Jahr stellte ihn die Gemeinde in Teilzeit an. Genaro machte Hausmeisterarbeiten, strich Wände, mähte Gras oder reinigte den Hof. Nachmittags konnte er sich so um die Kinder kümmern.

Schwierigkeiten machte ihm die Familie seiner verstorbenen Frau: Mehr als einmal schickten sie einen Sozialarbeiter, der kontrollieren sollte, ob die Kinder wirklich versorgt waren. Sie beschuldigten ihn, sie zu vernachlässigen und schalteten sogar ein Gericht ein, um ihm das Sorgerecht zu nehmen. Pastor Sergio und seine Frau verwendeten sich für Genaro – mit Erfolg. „Genaro ist ein hingebungsvoller Vater. Obwohl er Mühe hatte, die drei Kinder zu versorgen, tat er alles, was ihm möglich war, um sie zu behalten.“

„Wenn du Kinder hast, musst du kämpfen“

Es blieb die extreme Armut der Familie. Der Lohn der Arbeit reichte gerade dafür, Reis, Bohnen und Tortillas zu kaufen. Manchmal ergab das nur eine Mahlzeit am Tag; es reichte nicht für die Miete einer vernünftigen Behausung. Vater und Kinder teilten sich einen Raum von neun Quadratmetern, mit Ziegelwänden, nacktem Erdboden und einem Dach aus Pappe - ohne Strom und fließendem Wasser, irgendwo am Rand der Stadt. Ein altes Bett, ein Holztisch und Pappkartons für ihre Sachen – mehr Möbel gab es nicht. „Das waren sehr schwere Zeiten“, blickt Genaro zurück. „Als Vater fiel es mir nicht leicht, mich um die Hausarbeit zu kümmern. Doch wenn du Kinder hast, gibt dir das den Impuls, dass du kämpfen musst.“

Es fehlte eine Frau im Haus. Jared, der Älteste, ermutigte seine kleinen Schwestern, regelmäßig für eine neue Mutter zu beten. Nach drei weiteren schwierigen Jahren schienen die Gebete erhört worden zu sein: Vater Genaro heiratete Lorena, eine Frau aus der Gemeinde, die nicht nur ihn, sondern auch die Kinder liebt. Sie brachte eine besondere Fähigkeit mit: Brot zu backen. Heute betreiben Genaro und Lorena eine kleine Bäckerei – vor ihrem neuen Zuhause, das mehr Platz hat als das alte. Man kann verschiedene Brote bei ihnen kaufen, das liebste Brot haben die Kinder wegen seiner Form „Ohren“ getauft.
Zweimal in der Woche gehen Betsabe und ihre Geschwister ins Compassion-Projekt. Am Sonntag geht die ganze Familie in den Gottesdienst, wo sich Genaro und Lorena für andere bedürftige Kinder einbringen. „Es ist alles möglich geworden, weil wir unser Vertrauen in Gott setzten“, sagt Genaro heute. „Er hat uns geholfen.“

Cesiah Magaña, Compassion Mexiko

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