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El Salvador: Fußball statt Gewalt

25-02-2010

Der 13-jährige Walter lebt in einem Viertel von San Salvador, das von kriminellen Jugendbanden geprägt ist. Doch es gibt eine Alternative zur Gewalt: Eine Fußballschule im Compassion-Projekt.

Walter ist ein nüchterner junger Mann. Obwohl er gerade einmal 13 Jahre alt ist, redet er und verhält er sich, als ob er älter sei. Seit er fünf Jahre alt ist, besucht er ein Compassion-Projekt im Stadtteil Iberia von El Salvadors Hauptstadt San Salvador. „Er ist ein Junge, der wenig Worte macht“, sagt Glenda, die als Patenschaftskoordinatorin im Projekt arbeitet. „Wir wissen nie, ob er mit guter Laune kommt oder nicht.“

In vieler Hinsicht ist Walter ein sehr normaler Junge. Er mag es, mit seinen Freunden zu spielen, zu lachen und Spaß zu haben, doch er ist sehr still und ernst in der Gegenwart von Erwachsenen. „Ich denke, dass er sich so verhält wegen seiner Familie“, berichtet Glenda. Walter lebt mit seiner Mutter, drei Brüdern, einem Onkel und seiner Großmutter zusammen. Die Einzige, die zum Lebensunterhalt beiträgt, ist die Mutter, die als Näherin arbeitet. Walters Vater verließ die Familie, und obwohl er und Walter von Zeit zu Zeit Kontakt haben, sorgt er in keiner Weise für sie – ein alltäglicher Zustand in den Familien der Patenkinder. „Wenn er seinen Vater besucht, kommt er in gedrückter Stimmung zurück, als ob ihm etwas Sorgen machen würde“, erzählt die Mitarbeiterin.

Gewalt, Laster, kaputte Familien

Als ob eine zerbrochene Familie dem Leben eines 13-Jährigen nicht schon genug Not bereiten würde, birgt die Umgebung weitere Gefahren. Iberia ist einer der am meisten gefürchteten Stadtteile von San Salvador. Er gliedert sich in drei Sektoren: A, B und C. Doch inoffiziell gibt es hier nur zwei Zonen: eine für die MS-13-Gang und eine für die 18te-Straße-Gang. Das Viertel ist zu einem der Hauptquartiere für die Banden der Innenstadt von San Salvador geworden. Schätzungen sprechen von über 15.000 Bandenmitgliedern in El Salvador, die Stadtteile wie Iberia unsicher machen.
Gewalt, Laster, eine kaputte Familie – die Welt, die den jungen Walter umgibt, scheint ihm zu sagen: „Etwas Besseres gibt es für dich nicht.“

Doch das ist eine Lüge. Walter ist einer der Nutznießer eines zusätzlichen Angebots am Projekt: einer Fußballschule. Gut Hundert Jungen und Mädchen aus verschiedenen Compassion-Projekten besuchen am  Montag, Mittwoch und Freitag für zwei Stunden am Nachmittag diese Schule, um Fußball zu spielen und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Gefördert wird das Projekt mit Geldern aus Compassions Fonds für „Ergänzende Hilfsmaßnahmen“. Dieser Fonds dient dazu, zusätzliche Maßnahmen neben den regulären Programmen der Projekte zu fördern. Maßnahmen wie diese Fußballschule, die einen entscheidenden Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung des Kindes leisten.

„Wir glauben an dich“

„Wir haben Walter viel geholfen, da seine Mutter nicht jemand ist, die mit ihm feiern würde, die für ihn da ist“, erinnert sich Glenda. „Manchmal, wenn wir zur Fußballschule unterwegs sind, weint er, da seine Mutter nicht an ihn glaubt. Doch wir sagen ihm, dass wir an ihn glauben und ihn darum unterstützen.“

Nach einigen Monaten in der Fußballschule wurde Walter für eine Sichtung des Nationalen Fußballverbands für die U-13-Nationalmannschaft ausgewählt. Diese Mannschaft repräsentiert das Land bei den Olympischen Spielen in der Altersklasse 13 Jahre und jünger. Walter wurde nicht nur ausgewählt, sondern sogar in die U-15-Mannschaft befördert. Dort wird er mit älteren Jugendlichen trainieren, um seine Talente weiterzuentwickeln und für sein Land anzutreten. „Wenn ich nicht Teil dieses Programms wäre, wäre ich traurig und würde mich so fühlen, als ob ich weniger wert wäre als andere“, sagt Walter.

Training mit Gott

Es gab auch eine geistliche Auswirkung auf Walters Leben: Der Unterschied bei dieser Schule ist der, dass vor dem Beginn jedes Trainings das Wort Gottes weitergegeben wird. Es gehört dazu wie die sportlichen Übungen. Die Kinder lesen die Bibel, beten und tauschen sich vor und nach jeder Einheit aus. Dieses bewirkte, dass Walter mehr in der Gemeinde teilnahm, besonders in der Lobpreisgruppe. Er möchte Schlagzeug lernen, um Teil dieser Gruppe sein zu können. Mitarbeiterin Glenda freut sich über die wachsende Beziehung des Jungen zu Jesus: „Walter hat es gelernt, diszipliniert zu sein und er verpasst nie den Jugendgottesdienst der Gemeinde. Auch in der Fußballschule sind sie Christen und Gott kommt vor allem anderen. Wir sind sicher, dass er kein weiteres Bandenmitglied wird.“

Nestor Reynoza, Compassion El Salvador


Dalfan Saputra Manulang
Indonesien
11. November 2003