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Ghana: Kafuis Geschichte
05-03-2010
 Die zwölfjährige Kafui Kpedzigo erhielt ihren Namen von ihrem älteren Bruder. Ihm blieb keine andere Wahl, als das kleine Mädchen aufzuziehen. Denn beide Eltern waren gestorben.
In der Sprache der Ewe, einem Stamm in der Region des Voltaflusses, der Ghana durchzieht, bedeutet Kafui „Preist ihn“. Dieser Name überrascht, da Kafui eigentlich schon vor ihrer Geburt zur Waise wurde.
Kafuis Leidensgeschichte begann, als sie gerade sieben Monate im Bauch ihrer Mutter war. Sie musste vor dem normalen Ende der Schwangerschaft geholt werden, da die Mutter im Sterben lag. Sie hatte arglos Essen gegessen, das von ihrer Rivalin vergiftetet worden war, einer anderen Frau von Kafuis Vater. Auch der Vater war bei einem Autounfall gestorben, bevor das Mädchen zur Welt kam. Nachdem sie die ersten Lebenswochen in einem Inkubator im Krankenhaus verbracht hatte, wurde Kafui in die Obhut von ihrem allein lebenden, arbeitslosen Bruder gegeben.
Allein mit einem Baby
Mawunyo war 19 Jahre alt und hatte keine Erfahrung mit dem Aufziehen von Kindern, geschweige denn mit einem zu früh geborenen Baby. Er erlebte Gottes Eingreifen erstmals, als die jüngere Schwester seiner Mutter in die Stadt zurückkam. Sie war mit ihrem Mann fort gewesen und hatte selbst ein Baby zur Welt gebracht. Diese Tante war einverstanden damit, Kafui neben ihrem eigenen Kind zu stillen. Nach drei Monaten kam jedoch ihr Mann und nahm sie wieder mit sich.
Kafui kehrte zu ihrem Bruder Mawunyo zurück. „Ich hatte Angst. Sie war sehr klein, viel zu winzig, um mit ihr umzugehen“, erinnert er sich. „Freunde verstärkten noch meine Furcht, als sie mir sagten, dass sie sterben würde, wenn ich sie nicht einer erfahrenen älteren Frau geben würde. Doch wir hatten niemanden, außer unserer Großmutter, und die war zu alt und zu schwach, um zu helfen.“
Mawunyo und seine kleine Schwester lebten in einem alten, kleinen Kiosk, dessen Dach bei Regen leckte. Kein geeigneter Ort für irgendein Baby, geschweige denn für eins, das so verletzlich war. Mawunyo erlebte erneut Gottes Eingreifen, als sich eine entfernte Verwandte bereit erklärte, Kafui für einige weitere Monate zu stillen. Nach dieser Zeit begann Mawunyo damit, dem Mädchen normales Essen zu geben. Er konnte sich die teure Babynahrung nicht leisten, die Kafui gebraucht hätte.
Eine ungewöhnliche Entscheidung
Als Kafui heranwuchs, konnte es Mawunyo kaum ertragen, andere Kinder zur Schule gehen zu sehen, während seine Schwester keine Möglichkeit dazu hatte. Ohne Geld, mit nichts als seinem Glauben, nahm er sie mit zu einer christlichen Vorschule, wo er mit der Direktorin sprach. Kafui wurde angenommen. Alle Lehrer dort waren überrascht, da die Direktorin nie ein Kind in der Schule ohne die Aufnahmegebühr akzeptiert hatte.
Diese Tatsache lenkte die Aufmerksamkeit auf Kafui – es war genau das, was dieses schüchterne, unterernährte Mädchen brauchte. Mabel, eine der Lehrerinnen, nahm sich Kafuis besonders an. „Kafui war immer ein traurig dreinblickendes Kind, das nie mit den anderen Kindern spielte“, denkt Mabel an diese Zeit zurück. „Ich wollte mehr über sie herausfinden. Ich nahm sie an die Seite und half ihr, sich in meiner Gegenwart zu entspannen. Dann öffnete sie sich und begann, mir von sich zu erzählen.“
„Ich glaube, es war Gott“
Kafui verbrachte viel Zeit mit Mabel und ihren beiden Kindern. Die Lehrerin unterstützte Kafui und ihren Bruder, gab ihnen zu essen, Schulbücher und zusätzlichen Unterricht, damit Kafui den Rückstand in der Schule aufholen konnte. Kurze Zeit später wurde Mabels Gemeinde, die Rohi Global Evangelical Church, ein Partner von Compassion. Mabel registrierte Kafui im neuen Projekt und sicherte dadurch die Schulbildung des Mädchens. Schon bald erhielt Kafui auch eine Patin, mit der sie sich regelmäßig zu schreiben begann.
Heute, drei Jahre später, ist Kafui ein fröhliches und aktives Kind - ein hochgewachsenes Mädchen, das über beide Backen strahlt. Ihr Bruder Mawunyo ist überwältigt davon, wie Gott ihn und seine Schwester gerettet hat: „Ich kann Gott nur dafür danken, dass er mir an jenem Tag gesagt hatte, dass ich Kafui zu der christlichen Vorschule bringen sollte, denn dort fing alles an. Ich hatte davon gehört, wie resolut die Direktorin war, doch Gott gab mir etwas Zuversicht hinzugehen und ihr meine Geschichte zu erzählen. Ich glaube, dass es Gott war und ich preise ihn.“
Vera Mensah-Bediako, Compassion Ghana
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