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Haiti: Camps für Kinder
08-03-2010
 Seit sieben Wochen leben Tausende Kinder in Haiti in Zelten oder auf der Straße – ohne sinnvolle Tagesinhalte und Aussicht darauf, dass bald wieder Schulen öffnen. Um Abhilfe zu schaffen, organisieren die Mitarbeiter von Compassion mehrtägige Camps, um etwas für die Bedürfnisse der Kinder in den Projekten zu tun.
Das Ziel ist es, 10.000 der über 12.000 betroffenen Kinder zu erreichen, vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince und Umgebung. Die Camps begannen in der letzten Februarwoche und werden in den unterschiedlichen Compassion-Projekten fortgesetzt. Das Motto der Camps lautet: „Fürchte dich nicht“. Es ist Jesaja 41,10 entnommen: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“
Beten, singen, spielen
Für sechs Tage treffen sich die Kinder morgens um 8.00 Uhr in den Höfen ihrer Projekte. Bis zum Nachmittag nehmen sie an geistlichen und körperlichen Aktivitäten teil, z. B. an Gebet, Bibelbetrachtungen und Singen, an Sport, Tanzen und handwerklichen Arbeiten. Andere Angebote wiederum dienen tieferen seelischen Bedürfnissen der Jungen und Mädchen. Die Kinder sind begeistert und froh über die Möglichkeit, ein einfaches Domino-Spiel mit Freunden zu spielen und eine warme Mahlzeit mit Reis und Bohnen zu essen.
Doch die Camps dienen noch einem anderen Zweck. Das Erdbeben hat viele Menschen in Port-au-Prince mit dem berüchtigten posttraumatischen Belastungsstress zurückgelassen – einschließlich der Kinder. Vierzig ausgebildete Sozialarbeiter und Psychologen besuchen deshalb die Projekte, um individuell oder in Gruppen mit den Kindern zu reden und ihnen zu helfen, den seelischen Schock zu verarbeiten. Sie halten auch nach Kindern Ausschau, die weitere pychologische Begleitung brauchen.
Wenn es wieder bebt …
Ein weiterer Aspekt der Camps dient der Vorbeugung und dem Verhalten im Katastrophenfall. Da sie nie in ihrem Leben ein schweres Erdbeben erlebt hatten, wussten viele Haitianer am 12. Januar nicht, wie sie sich verhalten sollten. Simple Schutzmaßnahmen, wie sich unter Tische oder Türöffnungen zu flüchten, waren ihnen unbekannt. Da die Menschen Haitis noch über Wochen Nachbeben erleben mussten und sich weiter unbehaglich im Innern von Gebäuden fühlen, werden im Laufe des Camps sieben Stunden diesem Thema gewidmet: Die Kinder lernen, warum Erdbeben entstehen und wie man sich im Vorfeld eines Bebens, währenddessen und danach verhält.
Da in diesen Tagen die Regenzeit in Haiti beginnt und dadurch die Verbreitung von Krankheiten steigt, sind auch Gesundheitsexperten bei den Camps anwesend, um über Hygiene und vorbeugende Maßnahmen zu sprechen, die die Kinder beachten können, um sich gegen übertragbare Krankheiten zu schützen. Auch Impfungen werden den Kindern gegeben, die zu den Gefährdetsten gehören.
Kinder aus allen Altersgruppen profitieren von den Camps, wie z. B. Lemaguerre, ein 18-jähriger Junge: „Wir danken Compassion für diese Initiative. Es half mir, nicht mit falschen Vorstellungen über das Erdbeben zu bleiben, die einem in den Sinn kommen und niederdrücken können. Hier hatte ich Spaß mit anderen Kindern, habe neue Lieder und Spiele gelernt, und wir haben zusammen gegessen. Ich wünschte, es könnte so weitergehen.“
Ein neuer Anfang
Estaphony ist ein 16 Jahre altes Mädchen, die Schülersprecherin ihres Projekts ist: „Compassion ist über unsere Erwartungen hinausgegangen. Wir danken den Mitarbeitern, dass sie all ihre Energie hier hineinstecken. Wir danken auch den Köchinnen, dass sie uns zweimal am Tag eine gute Mahlzeit bereiten. Ich fühle, dass ich verändert von hier weggehen werde. Ich bin mehr vorbereitet, um neuen Herausforderungen zu begegnen, sowohl seelisch als auch gedanklich.“
Obwohl nichts mehr in Haiti so „normal“ sein wird, wie es einmal war, ist es wichtig für die Kinder, zu einem gewissen Empfinden von täglicher Normalität zurückzukehren. Diese Camps tragen genau hierzu bei. Sie bieten einen sicheren, verbindlichen Ort für Kinder, die zwei Monate Schule verpasst haben und sie helfen zu einem baldigen Neubeginn in den Compassion-Projekten, die besonders vom Erdbeben getroffen wurden.
Leura Jones und Amber van Schooneveld, Compassion International
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