Bangladesch: Ein Brief für Lishtina

20-01-2012

Briefe ans Patenkind schenken Freude und machen Mut – noch in den äußersten Winkeln der Erde. Zum Beispiel im Nordosten von Bangladesch.

Für die Kinder des Compassion-Projekts in dem kleinen Ort Sath Nong Khasiapungi ist es immer wieder ein Ereignis, wenn sie den Mitarbeiter mit dem großen braunen Umschlag auftauchen sehen – denn der ist voll mit Briefen ihrer Paten aus aller Welt. Das Projekt liegt auf einem kleinen Hügel, eine Autostunde entfernt von der nächsten Stadt. Von dort holen die Mitarbeiter regelmäßig die Briefe von einem Kurierdienst ab.

„Wir erklären es ihnen“

„Jeden Monat bekommen wir mindestens zweimal Brief von Paten. Die Kinder freuen sich sehr über diese Briefe und fragen uns immer danach“, erzählt Projektdirektor Pius. „Wir haben hier keinen Postboten, der die Briefe zum Projekt bringen kann. Wir müssen sie mit der Motorrikscha abholen.“

Bangladesch ist ein Land mit vielen Sprachen. Man verständigt sich überall in Bengalisch; doch dann gibt es noch viele Stammessprachen, die nur regional gesprochen werden. So auch hier, wo man die Sprache Khasi miteinander spricht. Englisch wird von den meisten Menschen nicht verstanden. Deshalb müssen die Briefe der Paten im Landesbüro von Compassion Bangladesch erst übersetzt werden, bevor sie an die Projekte weitergeleitet werden.

„Wir rufen jedes Kind auf und helfen ihm, den Brief zu lesen. Wir erklären es ihnen, wenn sie etwas nicht verstehen“, sagt Rita, eine der Mitarbeiterinnen im Compassion-Projekt in Sath Nong Khasiapungi. „Nachdem sie die Briefe gelesen haben, organisieren wir ein Treffen zum Briefeschreiben. Die Kinder setzen sich dann in unserer Kirche zusammen und schreiben ihren Paten zurück.“

„Diese Briefe sind kostbar“

Da ist zum Beispiel die zwölfjährige Lishtina (Foto: in der Mitte mit Freundinnen). Ihre Paten, ein Ehepaar, antworten auf fast jeden ihrer Briefe: Im letzten Jahr schrieb Lishtina sechs Briefe und erhielt fünf zurück. „Ich erhielt ein Geburtstagsgeschenk von meinen Paten, doch ich mag es viel mehr, von meinen Paten Briefe und Fotos zu bekommen“, erzählt Lishtina. Und was macht die Briefe so besonders? „Sie sind voll mit Grüßen, Worten, die Mut machen und Bibelversen. Sie haben auch ein schönes Foto der Familie mit Weihnachtsgrüßen geschickt. Diese Briefe sind kostbar für mich.“

Für die Jungen im Compassion-Projekt sind die Briefe der Paten nicht weniger wichtig. Robin und Eliphas sind zwei von ihnen: Robin teilt seine Freude über jeden neuen Brief, Karte oder Foto mit seinen Eltern. Eliphas liest die Briefe seines Paten zusammen mit seinen Freunden. Jedes Kind ist stolz darauf, wenn es einen Brief erhält. Denn es zeigt ihm, dass jemand aus einem fernen Land an es denkt.

Schreiben in der Kirchenbank

Die christliche Gemeinde hinter dem Compassion-Projekt in diesem entlegenen Teil Bangladeschs, startete es vor fünf Jahren für die Kinder aus den armen Familien ringsum. Die Mitarbeiter wissen um die Bedeutung der Briefe – auch für die Paten. „Kinder, die keine Briefe von ihren Paten erhalten, schreiben grundsätzlich alle vier Monate einen Brief“, erklärt Erzieherin Rita. „Doch die Patenkinder, die regelmäßig Briefe von ihren Paten erhalten, müssen diese umgehend beantworten. Sie schreiben auch Dankesbriefe, wenn sie ein Geldgeschenk von ihren Paten erhalten.“

Und so setzen sich die Kinder auf die Bänke in der Kirche, vor sich auf engen Tischen das bunte Schreibpapier von Compassion Bangladesch. Ein Abschnitt darauf ist für die Übersetzung vom Bengalischen ins Englische reserviert. Die älteren Kinder und Jugendlichen schreiben ihre Briefe selbst, die jüngeren erhalten Hilfe durch die Mitarbeiter.

Warten auf Antwort

Projektleiter Pius denkt auch an die Jungen und Mädchen, die selten einen Brief vom Paten bekommen: „Mir tun die Kinder leid, die keine Briefe erhalten. Sie fühlen sich ein wenig ausgeschlossen, wenn sie sehen, dass ihre Freunde Briefe aus dem Ausland bekommen. Hoffentlich bekommen diese Kinder bald Antwort von ihren Paten.“

Lishtina hat sich mit einem Brief für das Geburtstagsgeschenk von ihren Paten bedankt: „Ich schreibe ihnen über die schönen Sachen, die ich mir davon gekauft habe. Ich frage sie auch nach dem Wetter in ihrem Land und danach, wie sie Weihnachten feiern.“ Und dann heißt es warten – bis der Mitarbeiter mit dem großen braunen Umschlag wieder auftaucht.

David Adhikary, Compassion Bangladesch

Mehr über Bangladesch erfahren Sie hier.


Meist gelesen