Ecuador: Ein Pate für Melisa
07-10-2011Es ist ein besonderer Tag, wenn Kinder erfahren, dass jemand ihr Pate geworden ist. Zum Beispiel die neunjährige Melisa, die ein Compassion-Projekt in Ecuadors Hauptstadt Quito besucht.
Vida Abundante, auf Deutsch „Leben in Fülle“, heißt das Compassion-Projekt im Norden von Quito. Zweimal im Monat holt Fanny Gualoto, die Sekretärin des Projekts, die Post aus dem Landesbüro von Compassion Ecuador ab. Oft enthält diese Post besonderen Inhalt: dann nämlich, wenn ein Junge oder ein Mädchen aus dem Projekt davon informiert wird, dass sich jemand in einem weit entfernten Land entschieden hat, sein Pate zu werden. In diesem Fall liegt auch gleich das Briefpapier dabei, auf dem die Kinder ihrem neuen Paten den ersten Brief schreiben werden.
Eine freudige Nachricht
Zurück im Projekt setzt sich Fanny mit Projektdirektor Luis und Pastor Manuel zusammen. Manuel leitet die Baptistengemeinde, die seit 1986 das Compassion-Projekt durchführt. Gemeinsam sorgen die drei dafür, dass zum Beispiel die Aufnahme neuer Kinder ins Projekt zügig voran geht. Besondere Freude kommt auf, wenn sie erfahren, dass eines „ihrer“ Kinder einen Paten gefunden hat. Gleich nach dem Treffen begibt sich Fanny zu den Klassenräumen, um dem betreffenden Kind die Nachricht mitzuteilen. Heute würde es Melisa sein.
Das neunjährige Mädchen folgte gerade dem Unterricht von Erzieherin Anabel in ihrer Gruppe mit dem Namen „Überwinder“, als Fanny mit einem breiten Lächeln hereinkam. Die Nachricht, dass eines von ihnen einen Paten bekommt, löste Neugierde bei den Kinder aus. Wer würde es wohl sein? Schnell wurde das Geheimnis gelüftet: Es war Melisa.
Sofort begab sich ihre Erzieherin zur Rückwand der Klasse, die mit kleinen Schaumfiguren dekoriert war, jede von ihnen mit dem Namen eines Kindes – und seines Paten. Anabel schrieb den Namen von Melisas Paten darauf. Lange genug war der Raum dafür leer geblieben.
Ein besonderer Brief
Dann wies Fanny das Mädchen an, ihrem Paten den ersten Brief zu schreiben. Jedes Kind schreibt dazu einen ersten Entwurf, dem es an seinen Erzieher zum Gegenlesen weitergibt. Schließlich schrieb Melisa den korrigierten Brief auf das neue Schreibpapier. Kinder wie sie, die acht Jahre und älter sind, sollen die Briefe selbständig schreiben – wenn sie bereits dazu in der Lage sind. Sie werden dabei von ihren Erziehern angeleitet, die Rechtschreibung und Satzbau kontrollieren. Grundsätzlich werden die Kinder jedoch ermuntert, ihre eigene Phantasie zu gebrauchen, um die Briefe zu gestalten.
Schließlich gab Erzieherin Anabel Melisas fertigen Brief an Fanny weiter. Die würde ihn – zusammen mit anderen ersten Briefen von Kindern an die Paten – persönlich ins Landesbüro von Compassion Ecuador bringen. Dort würde Melisas Brief von einem Mitarbeiter der Patenschaftsabteilung geprüft, ob er den altersgemäßen Qualitätsstandards von Compassion entspricht und dann an einen Übersetzer weitergeleitet, um ihn von Spanisch ins Englische zu übersetzen. Danach würde er dann seine weite Reise zu Melisas neuem Paten antreten.
Mann oder Frau?
Noch zwei weitere Kinder erfuhren an diesem Tag von Fanny, dass sie nun einen Paten hatten: Leandro und Brenda, beide sechs Jahre alt. Bei ihnen wird natürlich noch nicht erwartet, selbst etwas zu schreiben. Sie malen ein Bild auf die Rückseite des Briefs, bevor sich ein Mitarbeiter mit ihnen zusammensetzt, der erste Informationen in den Brief schreibt, die die Kinder ihren neuen Paten über sich mitteilen wollen. Leandros und Brendas Paten kommen aus dem fernen Europa: aus England und der Schweiz.
Einer kleinen Schwierigkeit sehen sich die Spanisch sprechenden Projekt-Mitarbeiter wie Fanny allerdings jeden Monat gegenüber: Oft reichen ihre Sprachkenntnisse nicht aus, um die Namen der neuen Paten aus den verschiedenen Ländern richtig auszusprechen oder ihr Geschlecht zu deuten. „Wir wüssten gerne, ob die Paten Männer oder Frauen sind, da uns die Kinder das fragen“, erzählt Fanny. „Sie fragen etwa: ‚Schwester, ist mein Pate ein Mann oder eine Frau?‘ Und offen gesagt: Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich antworten soll.“
Cecilia Yépez, Compassion Ecuador
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