Uganda: Hoffnung nach dem Terror

27-12-2011

Viele Jahre litten die Menschen im Norden Ugandas unter Terror, Hunger und Aids. Menschen wie Awany und seine Familie. Würde es jemals ein Ende der Not geben?

Wie die meisten anderen in seiner Gegend lebte Awany, ein einfacher Viehzüchter und Kleinbauer, viele Jahre in Angst vor dem Terror der Lord’s Resistance Army (LRA) - einer obskuren Miliz, die bekannt war für ihre Grausamkeit und das Rekrutieren von Kindersoldaten. Etwa 20 Jahre lang stellte sie eine ständige Bedrohung für die Menschen im Norden Ugandas dar, bis die ugandische Armee sie schließlich vertreiben konnte. Als 2008 das Adwari Kinderzentrum in der Nachbarschaft öffnete, das Compassion-Projekt der einheimischen Corner Adwari Victory Outreach Church, waren die Kämpfe gerade beendet. Doch die Angst vor einer Rückkehr des Terrors war überall greifbar.

Bei Null anfangen

Für Joseph Omara, den Pastor der Gemeinde, war die gute Nachricht von Jesus Christus das Beste, was man diesen verletzten und verängstigten Menschen bringen konnte. Doch nicht wenige von ihnen waren verschlossen, da sie zu traumatisiert waren. Würde Gott uns wirklich lieben, so sagten sie, hätte er uns und unsere Angehörigen gerettet.

Als das neue Compassion-Projekt begann, waren viele dieser Menschen ohne Heimat und ohne Essen. Andere waren vor Hunger gestorben. Die meisten Überlebenden des Terrors lebten in Flüchtlingslagern nahe bei der christlichen Gemeinde. Sie fürchteten sich, zu ihrem Zuhause zurückzukehren. Auch Awany hatte selbst nur knapp überlebt. Viehdiebe hatten ihm 84 Rinder gestohlen. Und als er zu seinem Zuhause zurückkehrte, fand er dieses zerstört vor. Der Mann, der drei Brüder durch den Krieg verloren hatte, musste bei Null anfangen.

Awany erinnert sich, dass während der Hungersnot Compassion Nahrungsmittel an die Familien der Kinder im Projekt verteilte. Er erhielt zweimal 45 Kilo Bohnen und 50 Kilo Maismehl. Er bekam auch Eier und Milch für seine Tochter Akite, die damals vier Jahre alt war und das Compassion-Projekt besuchte. Die zusätzliche Nahrung ermöglichte ihr und ihrer zweijährigen Schwester zu überleben. Awany gab auch etwas von den Nahrungsmitteln an seine hungernden Nachbarn ab. Zu der Zeit pflanzte niemand etwas an – die Rebellen konnten ja jederzeit zurückkommen.

Wie Akites Patin half

Als Awanys Tochter Akite (Foto: zusammen mit ihren Eltern) im Compassion-Projekt aufgenommen wurde, dankte ihr Vater Gott dafür, dass wenigstens eines seiner vier Kinder versorgt sein würde. Das Compassion-Projekt übernahm das Schulgeld für Akites Besuch der öffentlichen Schule. Sie erhielt Kleidung und Schuhe; ein Moskitonetz, eine Decke und eine Matratze. Und sie wurde ärztlich betreut.
Akite schien versorgt zu sein - doch Awany rechnete damit, dass der Überlebenskampf für ihn, seine Frau und die anderen drei Kinder weitergehen würde.

Wie ein Wunder war es da für die Familie, als Akites Patin Hellen ein Familiengeschenk für sie überwies. Awany kaufte davon Ziegen - Ziegen, die sich schließlich vermehrten und zum Unterhalt der Familie beitrugen. Eines von Awanys Kindern war oft krank und er konnte das Geld, das die Ziegen einbrachten, für ihre Behandlung verwenden. Mehr noch: Awany konnte seinen Kindern neue Kleidung kaufen und auch ihre Schulgebühren zahlen. Die Freigebigkeit von Akites Patin hielt an – ein Segen für die Familie. Über jeden Brief und jede Spende von Hellen führte Awany Buch. Das vielleicht größte Geschenk war es, als er für seine Familie ein geziegeltes Häuschen bauen konnte. Später gelang es dem glücklichen Vater noch, die Bleche für das Dach zu kaufen.

Durch das Compassion-Projekt seiner Tochter erfuhr die Familie auch lebenspraktische Hilfe: Allen Eltern der Kinder im Projekt werden von Zeit zu Zeit verschiedene Bildungsangebote gemacht. So ging es in einem der Vorträge über die Bedeutung von Hygiene und den Sinn von sanitären Anlagen. Unter ihren schwierigen Lebensbedingungen, aber auch wegen mangelnden Wissens, machten sich viele der Menschen keine Gedanken dazu. Der Toilettengang wurde irgendwo draußen im Busch erledigt. Nach dem Vortrag im Projekt beschloss Awany, eine Toilette für die Familie zu bauen.

Ein Gewinn für alle im Dorf

Ein anderes großes Thema bleibt die Gefahr der Ansteckung mit HIV. Während des Terrors der LRA wurden viele Ugander im Norden mit dem Virus infiziert. In den Compassion-Projekten werden den Eltern der Kinder freiwillige HIV-Tests und Beratungen angeboten. Awany unterzog sich dem Test und wurde negativ getestet. Er wurde danach informiert, wie er frei von Ansteckung bleiben kann. Awany und seine Frau Amongi profitierten auch von Vorträgen über gesunde Ernährung und wie sie diese ihren Kindern zukommen lassen können.

Im Projekt erhielt der Kleinbauer auch Samen, um Bäume anzupflanzen. Diese sind seitdem gewachsen und Awany hofft, davon in der Zukunft ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Seine Frau baute mit Samen vom Projekt einen kleinen Garten mit Erdnüssen an, die die Nahrung der Familie zusätzlich ergänzen. Doch auch die anderen Menschen im Dorf profitieren vom Projekt der Gemeinde: So wurde mithilfe der Ergänzenden Hilfsfonds von Compassion ein Trinkwasserbrunnen gebohrt. Vorher mussten einige der Familien mehrere Kilometer gehen, um Wasser von anderen Brunnen zu holen.

Awany und die Menschen im Dorf sind dankbar für die Hilfe durch die Gemeinde und ihr Compassion-Projekt. Pastor Joseph Omara freut sich über die Entwicklung, da sich die Menschen neu für den Glauben an Jesus öffnen. Der Besuch in den Gottesdiensten wächst, denn die Menschen hören - und erleben – das Evangelium.

Caroline Atuhwere, Compassion Uganda

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