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Äthiopien: Eine Gemeinde verändert ihr Viertel
27-01-2012Lamberet ist einer der übelsten Slums in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Hier engagiert sich die Mulu Wengel Church – und fängt bei den Kindern an.
Die meisten Menschen in Lamberet sind arm. Sie wohnen in heruntergekommenen Mietshäusern ohne vernünftiges Abwassersystem. Oft teilen sich mehrere Familien eine Toilette. Viele von ihnen sind Rentner oder Tagelöhner. Auch die Aussichten der Jugendlichen sind düster: zu den Problemen in der Schule kommen Süchte, sie drohen zu verwahrlosen oder werden gewalttätig. Was fehlt sind Menschen, die sich um sie kümmern und ihnen Halt geben.
Ein Wendepunkt
Dabei war die Regierung nicht untätig: Vor fünf Jahren hat sie ein Programm gestartet, um gerade jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Sie bot ihnen Schulungen und nötige Kredite an, um als Gruppe ein Kleingewerbe zu starten. Doch nur wenige profitieren von diesem Angebot – zu sehr sind viele in Süchten gefangen, zu gering die nötige Verbindlichkeit, das eigene Leben auf diese Weise zu ändern.
Inmitten dieses Viertels liegt die Lamberet Mulu Wengel Church. Sie möchte die Menschen hier mit der Evangelium erreichen. Die Strategie der Gemeinde war einfach: die Mitarbeiter würden losgehen und ihnen die gute Nachricht von der Liebe Gottes bringen. Doch trotz ihrer Treue blieb der Einfluss und das Wachstum der Gemeinde gering: Es fehlte an der nötigen Zahl von Mitarbeitern, an ausreichenden Mitteln, um den Bedürfnissen im Viertel zu begegnen und am Wissen, wie man sich um den ganzen Menschen kümmern kann.
1987 startete die Gemeinde eine Partnerschaft mit Compassion Äthiopien. „Compassion stellte unserer Gemeinde einen anderen Ansatz des Dienstes vor, der ganzheitlicher Natur ist“, beschreibt Tolosa Chak den Wendepunkt der Gemeinde, die er leitet. „Sie halfen uns auch dabei, uns auf den Dienst an Kindern zu konzentrieren, um das Leben der heutigen Familien zu verändern und damit morgen das Viertel und die Gemeinde selbst.“ Und so starteten sie ein eigenes Compassion-Projekt für die Kinder aus den armen Familien ringsum. Mit der Unterstützung des Patenschaftprogramms von Compassion war die Gemeinde in der Lage, mehr Familien mit dem Evangelium zu erreichen als zuvor. Die Kinder wurden begleitet und ihnen gute Werte vermittelt. Sie wurden zu Jüngern Christi und damit auch zu besseren Mitbewohnern. „Allein im letzten Jahr haben 102 Kinder ihr Leben Jesus gegeben und wurden in die Familie der Gemeinde aufgenommen“, sagt Tolosa Chak. „Man kann sich gut vorstellen, wie auch sie viele andere für Christus gewinnen, indem sie die gute Nachricht unter ihren Freunden, Familien und Nachbarn ausbreiten.“
Echte Werte, neue Ziele
Die Gemeinde hat heute ein anderes Ansehen im Viertel: sie steht als Symbol für Hoffnung und ein besseres Leben. Viele Familien kommen nun hierher – selbst, wenn sie noch nicht gläubig sein mögen – und sind bereit, die Mitarbeiter zuhause zu empfangen. Für die Mulu Wengel Church hat sich eine große Tür geöffnet. Für viele Kinder und ihre Familien ist sie ein Zufluchtsort inmitten von Chaos geworden. Es gibt einen sichtlichen Unterschied zwischen den Jungen und Mädchen, die ins Compassion-Projekt kommen und den anderen Kindern – und das nicht bloß wegen der materiellen Unterstützung dort. Es sind vielmehr die christlichen Werte, die den Kindern und ihren Familien im Projekt vermittelt werden, die ihnen helfen, den richtigen Dingen Vorrang zu geben und verbindlicher zu sein.
Da ist zum Beispiel die 19-jährige Asrat, die 1989 ins Compassion-Projekt aufgenommen worden war. Ihre Mutter hatte sie mit drei Jahren verloren, der Vater hatte Mutter und Kind bereits bei der Geburt verlassen. Asrat wuchs bei ihrer Großmutter auf, die sich jedoch noch um andere Enkel kümmern musste. Sie verkaufte das selbstgemachte Fladenbrot Injera und Tella, ein einheimisches Getränk, um für die Kinder sorgen zu können. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich nicht ins Projekt gekommen wäre“, sagt Asrat. „Ich würde ohne Christus leben und hätte nicht den Antrieb gehabt, dahin zu kommen, wo ich jetzt bin.“ Asrat hat einen Bachelor-Abschluss an der Universität gemacht und hat nun eine Stelle, die ihr ermöglicht, seit dem Tod der Großmutter vor einem Jahr für die anderen Kinder der Familie zu sorgen. Nebenbei arbeitet sie freiwillig in ihrem alten Compassion-Projekt mit.
Anders denken, andere lieben
Kirub (Foto) ist ein junger Mann aus dem Compassion-Projekt. Obwohl selbst kein praktizierender Christ, schätzt er, was man ihm im Projekt und der Gemeinde mitgegeben hat: anders zu denken, Großes zu erwarten und andere zu lieben. Kirub gehörte zu den wenigen, die im Examen am Ende der zehnten Klasse eine hohe Punktzahl erreichten. Nun kann er an der Universität studieren. „Mit christlichen Werten und Gottes Wort aufzuwachsen hat mein Leben vor unguten Verhaltensweisen und Praktiken bewahrt, wenn man als Teenager den Druck spürt, den die meisten meiner Altersgenossen haben.“ Kirub ermuntert seine Freunde, die nicht im Compassion-Projekt sind, ihre Zeit sinnvoll zu verbringen und in der Schule mitzumachen. Er gibt weiter, was man ihm gegeben hat.
Eldad Girma, Compassion Äthiopien



